kobolt (koblenz - bonn lauftrail)

KoBoLT -Logo
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Am  24.11. sind wir mit einer 3-köpfigen hunsrücker Traildelegation an einem verregneten Novembersamstag nach Bonn gereist, um uns dem waghalsigen Unterfangen „KoBoLT“ zu stellen.

Der KoBoLT ist ein Traillauf, der von Koblenz nach Bonn über 140km und 4450 Höhenmeter stets dem Rheinsteig folgt. Daher auch der prägnante Titel KoBoLT: Ko= Koblenz

Bo = Bonn LT = LaufTrail.

Torsten kann man wohl getrost als erfahrenen KoBoLT-Veteranen bezeichnen, er hat die Strecke in den letzten beiden Jahren sehr erfolgreich mit dem 2. Platz abgeschlossen. Paul feierte in diesem Jahr seine Premiere beim KoBoLT und ich (Mario) hatte mich letztes Jahr schon einmal beim kleinen KoBoLT (einer Unterdistanz von Rengsdorf nach Bonn über 100 km und 3360 HM) mit einem Großteil der Strecke vertraut gemacht. Darüber hinaus gibt es noch den „Auge um Auge KoBoLT“ mit der „kleinsten“ Distanz über 73 km und 2400 HM. Insgesamt stellten sich in 2018 stolze 138 Läuferinnen und Läufer dieser Mammutaufgabe (laut offizieller Startliste).

Das Wetter bei der Anfahrt nach Bonn ließ nichts Gutes verheißen: Kühle Temperaturen, bewölkter Himmel und Regen in einer Tour. Torsten und ich hatten die Einladung zum Event erst 2 Tage vorher (über die Nachrückerliste) bekommen und ich fragte mich, warum zum Teufel man sich das Ganze bei diesem Wetter antun möchte. Aber der Wetterradar lies Hoffnung aufkeimen, denn ab der Mittagszeit wurden relativ trockene Wetteraussichten prophezeit.

Der Zielbereich war diesmal in einem Schulgebäude am Bonner Rheinufer, wo wir von zahlreichen befreundeten Läufern aus der Region herzlich begrüßt wurden, was so langsam etwas Vorfreude und Mut aufkeimen ließ.

 

Der KoBoLT präsentierte in 2018 seine 9.Auflage, er ist dabei immer ein familiärer Lauf geblieben, hat sich aber sowohl in der Quantität der Teilnehmer, als auch in der Qualität der Ergebnislisten in den letzten Jahren sehr entwickelt: Immer mehr Sportlerinnen und Sportler kommen, die den Lauf ambitioniert angehen und auf gute Zielzeiten aus sind, was folgerichtig dazu führt, dass die Streckenrekorde fast jährlich unterboten werden. Neben der regionalen Käuferschar waren aber auch zahlreiche Sportfreunde mit dabei, die aus ganz Deutschland und aus dem Ausland anreisten, um bei diesem besonderen Event die Stiefel zu schnüren.

Beim Streckenbriefing wurde Leopold P. für seine zahlreichen Teilnahmen beim KoBoLT geehrt. Wenn ich es recht in Erinnerung habe, waren es sieben Teilnahmen in der neunjährigen KoBoLT-Geschichte - allesamt mit erfolgreichem Finish. Die Leistung ist nicht hoch genug einzuschätzen, zumal Leopold mittlerweile auf ein stolzes Alter von 70 Jahren zurückblicken kann. Herzlichen Glückwunsch und Chapeau auch an dieser Stelle!

 

Nach dem Streckenbriefing wurden wir mit einem weihnachtlich geschmückten „Oldschool-Bus“ nach Koblenz gekarrt. Die erste große Herausforderung war bereits hier zu stemmen, indem die Blase bis Koblenz kontrolliert werden musste. Wir waren beim Briefing bereits eindringlich gebeten worden, nicht aus dem Bus zu stürmen und in einer Massenpinkelaktion die Passanten aufzuschrecken – was allerdings wenig geholfen hat :)

KoBoLT
Startbereich in Koblenz

Um 11:00 Uhr – pünktlich wie die Maurer ertönte der imaginäre Startschuss und die Meute begab sich in Bewegung. Vom Start weg drückten einige Läufer in der Spitze auf ein ziemlich ambitioniertes Tempo. Ich reihte mich hinter der 6-köpfigen „Tempogruppe“ ein, wohl wissend, dass ich mir meine Körner besser gut einteile für meinen bisher längsten Traillauf. Der Regen hatte sich gelegt, die Beine fühlten sich leicht an und es kam richtige Lauffreude auf, was mir Mut für den Tag und die folgende Nacht machte.

Die erste „Etappe“ bis zum Verpflegungspunkt in Rengsdorf umfasste 36km, wobei zunächst sehr viele Forst- und Wirtschaftswege zu passieren waren. Der Trailcharakter des Rheinsteigs präsentierte sich also noch etwas verhalten. Als ich mich irgendwann bei km 15 dummerweise verlaufen hatte, wurde ich von einer größeren Gruppe überholt, an deren Spitze ich Torsten ausfindig gemacht habe. Vielen Dank an dieser Stelle nochmal für den Läufer, der mir aus der ferne hinterher brüllte und mich damit aufmerksam machte.

Nachdem ich wieder zu Torsten aufgeschlossen hatte, konnten wir uns mehr und mehr absetzen und liefen fortan gemeinsamen Schrittes. Je näher wir Rengsdorf kamen, desto mehr anspruchsvolle Trails prägten den Rheinsteig. Man musste in den verwurzelten und steinigen Downhills sehr fokussiert unterwegs sein, da die Bodenbeschaffenheit durch den dicken Laubteppich kaum einzusehen war. Das Wetter bleib zwar trüb, aber weiterhin trocken und so schrubbten wir frohen Mutes Kilometer für Kilometer. Nach dem Verlaufen folgte einige Kilometer vor Rengsdorf dann der nächste Fauxpas: Nachdem ich mir ein Gel gedrückt hatte bemerkte ich zu spät, dass die Trinkblase so gut wie leer war. Mit eklig verklebten Maul lief ich also zum VP 1 im Rengsdorfer Tennisheim, wo erstmal die Kehle mit ordentlich Wasser einer Grundspülung unterzogen wurde.

Es hat schon seine Gründe, warum ich nie mit diesen blöden Trinkblasen laufe, denn man weiß nie wie viel Wasservorrat man noch bei sich hat. Da der KoBoLT allerdings ein Lauf ist, der seinen Teilnehmern eine recht große Autonomie abverlangt – es gibt nur 4 Verpflegungspunkte auf den 140km - wollte ich diesmal mit einem größeren Wasserspeicher losziehen, die 2 Frontflaschen erschienen mir als definitiv zu wenig.

Nachdem Torsten und ich uns am VP mit einigen anderen Mitstreitern gestärkt hatten, zogen wir gemeinsam weiter und bekamen die Info, dass wir den VP auf Platz 3 verlassen haben. Einige Läufer schienen dem Anfangstempo in der Spitzengruppe Tribut gezahlt zu haben, sie verweilten noch länger an der VP oder mussten bereits aussteigen.  

Paul bestätigte mal wieder seine super Form und war noch eine ganze Ecke flotter unterwegs (auf Platz 2). Und ganz vorne zog Tobias Krumm seine einsamen Kreise, unangefochtener König des KoBoLTs, der auch in diesem Jahr wieder seinen ohnehin schon beeindruckenden Streckenrekord unterbieten wollte.

Torsten und meine Wenigkeit arbeiteten weiter als hunsrücker Trailteam zusammen, was sich insbesondere auch bei der Wegfindung bezahlt gemacht hat, die nicht immer eindeutig war. Außerdem war es von Vorteil, einen bekannten Begleiter an der Seite zu haben, denn bereits um 17:00 Uhr mussten die Stirnlampen gezückt werden und wir folgten fortan dem Lichtkegel der Lampe durch die einsame und dunkle Nacht. Für Abwechslung sorgten auch die kleinen KoBoLTe auf der 100km-Strecke, welche um 14:00 Uhr in Rengsdorf gestartet waren. Nach und nach liefen wir immer wieder auf einzelne Läuferinnen und Läufer auf, wechselten einige Worte und sprachen uns gegenseitig Mut zu.

So verging Kilometer für Kilometer, in denen wir im stoischen Rhythmus unterwegs waren: Anstiege mit Stockeinsatz gehen, Flachpassagen und Downhills laufen. Zu gemütlich durften wir es uns dabei aber nicht machen, sofern wir die Bronzemedaille einheimsen wollten, denn die bärenstarke und erstplatzierte Frau Anke saß uns stets mit wenig Rückstand im Nacken.

Bei Kilometer 90 an der Erpeler Ley erreichten wir die dritte Verpflegungsstation, ein wichtiges Etappenziel auf dem Weg nach Bonn, denn hier hat man nicht nur bereits 2/3 der strecke auf der Uhr – hier wartete auch unser Dropbag mit frischen Klamotten und persönlicher Verpflegung. Außerdem tat es immer mal wieder gut ein paar bekannte Gesichter zu sehen, wie zum Beispiel Verena, die ihren Freund Paul an den VPs unterstützte und auch immer ein paar anfeuernde Worte und helfende Hände für uns parat hatte. Vielen Dank dafür! :)

Die Grillhütte und das warme Kaminfeuer der Erpeler Ley zu verlassen, war für mich der bisherige Tiefpunkt des Rennens. Die Muskulatur und Gelenke waren ziemlich gezeichnet. Es kostete sehr viel Kraft und Wille, nun wieder anzulaufen um auf Tempo und in Rhythmus zu kommen. Außerdem waren wir jetzt Richtung Siebengebierge unterwegs, wo die längsten Anstiege des gesamten KoBoLTs warteten, die teilweise ziemlich knackig sind. Glücklicherweise besserte sich dieser Zustand schon nach einigen Kilometern und nachdem Torsten und ich immer noch beisammen waren, beschlossen wir auch den Versuch zu unternehmen, den dritten Platz gemeinsam heimzuschaukeln, anstatt uns in der Endphase des Rennens zu duellieren.

Das Wetter blieb in der Folge weiter trocken und die Sinne trotz Müdigkeit scharf, was in Anbetracht einiger sehr verblockter Downhills auch zwingend notwendig war – ein Sturz oder umknicken konnte jetzt die ganze Ernte kosten. Wir kämpfen uns also weiter zum letzten Verpflegungspunkt, um von dort den Drachenfelsen zu bezwingen. Den Blick immer Richtung Bonn, hielten dabei unser stoisches Tempo, ohne einen Einbruch zu erleiden. Die Freude war groß, als wir aus dem Wald hinaustraten und die Treppenstufen runter zur ehemaligen Landeshauptstadt tippelten. Nun mussten wir noch einige Kilometer Asphalt bewältigen – nicht gerade des Trailläufers liebstes Terrain, aber die Gewissheit das Ziel nach all der Schufterei vor Augen zu haben machte förmlich Beine.

Wir passierten das große Telekomgelände und bogen ab in die Rheinpromenade – die ersten Jogger waren hier schon um halb 6 am Morgen unterwegs und ein Obdachloser beschallte die Straßenunterführung mit etwas Unterhaltungsmusik, eine nette Abwechslung nach zig Stunden düsterem Walde. Nach dem „Zielsprint“ liefen wir erleichtert und mega stolz um 5:40 am Sonntagmorgen - nach 18:40 Stunden im Ziel ein. Tobias und Paul hatten es sich dort bereits gemütlich gemacht und nahmen uns mit Verena in Empfang.

Anke kam einige Zeit später mit neuem Streckenrekord bei den Frauen ins Ziel. Auch Tobias hatte seinen Rekord unterboten und war mit einer unfassbaren Leistung von 15:15 in Bonn angekommen. Paul hatte sich souverän den zweiten Platz gesichert, seine Zeit von ca. 17:30 Stunden war ebenfalls eine ganz schöne Hausnummer. Er hatte uns hunsrücker Laufkollegen damit um mehr als eine Stunde abgeschüttelt.

 

Nach und nach trudelten immer mehr Finisher ein, viel mehr Läuferinnen und Läufer waren allerdings noch auf der Strecke, um wie die Distelfinken für ihr Finish zu kämpfen. Das zog sich über den Morgengrauen hinaus bis in den Sonntagnachmittag hinein.  Ganz herzlichen Glückwunsch an jeden Einzelnen zu dieser riesigen Leistung und vielen Dank an die Organisatoren, die auch in diesem Jahr wieder eine tolle Veranstaltung mit viel Herzblut auf die Beine gestellt haben. Wir sind schon gespannt, was ihr euch für die Jubiläumsauflage in 2019 ausdenkt :)

Kommentare: 2
  • #2

    Schmauseröiner (Dienstag, 04 Dezember 2018 20:52)

    Toller Bericht. Beim Lesen bekommt man direkt Lust sich die Schuhe anzuziehen und selbst loszulaufen. Solche Etappen liegen jedoch bisher in weiter Ferne. Aus diesem Grund,meinen größten Respekt vor dieser Leistung! Weiter so...

  • #1

    hunstrailer (Samstag, 01 Dezember 2018 14:22)

    Vielen lieben Dank Mario für diesen tollen Bericht.Beim lesen fühlte ich mich wieder mitten im Lauf.
    Es war mir eine riesen Freude gemeinsam mit Dir über den Rheinsteig zu laufen!

    Danke und lg Torsten