Wispertaunussteig – ein Trailmarathon für die Sinne

Wispertaunussteig Wispertrails

Im Juni haben wir den Wispertaunussteig unter die Trailschuhe genommen, der mit seinen 44km als Königsdisziplin der Wisper-Trails bezeichnet werden kann. Nachdem wir schon einige der brandneuen Rundwanderweg des Wisper-Trails-Projekt erforscht haben, waren wir sehr gespannt, was uns auf den Pfaden zwischen Kemel und Lorch entlang des wildromoantischen Wispertals erwartet.

Mit großer Vorfreude im Gepäck haben wir den Bus Nummer 275 von Wiesbaden zum Startpunkt Kemel genommen, der uns ohne Umstieg zur Haltestelle „Die Haide“ kutschierte. Von hier verbleiben nur wenige hundert Meter Zuweg bis zum offiziellen Startportal des Wispertaunussteigs.

Kemel ist mit seinen 517. m.ü.NHN der höchstgelegene Ort im westlichen Taunus. Der Wispertaunussteig ist grundsätzlich in beide Richtungen begehbar – wer unsere Variante von der Wisperquelle bei Kemel als Starpunkt wählt, hat auf dem Weg nach Lorch „nur“ insgesamt 1300 positive Höhenmeter vor der Brust, wohingegen 1900 Höhenmeter im Abstieg warten. Man muss kein Rechenmeister sein um zu erkennen, dass die entgegengesetzte Route eine noch größere Herausforderung darstellt.

Nachdem wir das schöne Startportal passierten, war erstmal lockeres eingrooven angesagt. Schon bald erblickten wir die Wisperquelle, welche hier als kleines Rinnsal entspringt. Weiter gings bergab auf einem Waldweg entlang der sich langsam aber stetig entfaltenden Wisper. Ein idealer Einstieg um die alten Knochen vorsichtig in Schwung zu bringen. Unterwegs grüßen gleich mehrere tierische Weggesellen, wie Eselund Kühe,die in aller Gemütlichkeit die Morgensonne genießen. Schon bald erreicht man einen Abschnitt der Wanderrunde „Wisperoutback“, der uns zum urigen und verschlafenen wirkenden Örtchen Wisper geleitet. Nach der Querung des Dorfes wird das Gelände schlagartig traillastiger und der Wispertaunussteig bringt uns auf einem schönen Pfad weiter talabwärts zum Wispersee. Da das Baden hier leider verboten ist und der See mit angrenzender Grillhütte bereits von einer feiernden Schar Angler in Beschlag genommen ist, genießen wir ein paar Blicke auf den idyllischen See mit seinen friedlich paddelnden Entenfamilien und machen uns weiter.

Kurz darauf erreicht man mit dem Naurother Grubengold und der dazugehörigen Naurother Schweiz den nächsten der WisperTrail-Rundwege. Der Wispertaunussteig führt hier an sagenumwobenen Orten vorbei, wo einst ein wildes Weib sein „Unwesen“ trieb. Entlang bizarrer Felsformationen sind technisch anspruchsvolle Pfade zu meistern, welche uns über ein geheimnisvolles Nebental wieder an der Wisper ausspucken. Dieser Abschnitt durch die Naurother Schweiz bildet ein absolutes Highlight des Wispertaunussteigs.

In der Folge laufen wir ein längeres Stück über einen breiten, aber naturnahen Wanderweg, auf dem das Rauschen der Wisper unser stetiger Begleiter ist. Wir queren die Wisper über eine urige Brücke und erfreuen uns kurz darauf über eine Quelle am Wegesrand, die eine herrliche Erfrischung am warmen Sommertagen bietet.

Ein Stück weiter trifft man auf die Wisperstrasse, die wir zunächst über einen steilen Anstieg und mit brennenden Oberschenkeln links liegen lassen und in der Folge kreuzen, was in Anbetracht der ruhigen Verkehrslage ein wenig waghalsiges Unterfangen bildet. Schöne Trails geleiten uns Richtung „Dickschieder Wildwechsel“. Der nächste im Bunde der Wispertrails, welche an den Wispertaunussteig grenzen. Das Gelände ist hier recht knackig: Genussorientiere Waldspaziergänge sehen anders aus. Nicht das erste Mal, dass die Weginitiatoren richtig guten Geschmack bei der Wegewahl getroffen haben! 

Mit qualmenden Socken erreichen wir das Dickschieder Fenster, welches einen sehr schönen Blick auf Geroldstein freigibt und die geschundenen Wanderknochen an der dortigen Ruhebank zur Rast einlädt. Wer sich auf diesem Abschnitt allerdings nach Entspannung sinnt, der ist auf der falschen Spur. Es geht weiterhin nur in eine Richtung: Bergauf! Und zwar seit dem Startschuss erstmalig aus dem Wald hinaus auf die Taunushöhe zum Atzmann – nicht zu verwechseln mit dem Watzmann, auch wenn der Anstieg ähnlich schweißtreibend ist. Den Lohn der Mühen bildet ein herrlicher Panoramablick über den Taunus und die umliegenden Mittelgebirge. Ein gemütlich dreinschauender Esel auf der angrenzenden Weide und gackernde Hühner machen die ländliche Idylle perfekt. Beim Blick auf das GPS-Gerät erleidet diese Romantik ein jähes Ende: Erst ein Drittel der Wegstrecke ist geschafft, noch knapp 30 km und ein Großteil der Höhenmeter liegen noch vor uns. Also kurz den Schweiß von der Stirn gewischt und weiter geht die Suche nach den grünen Schildern mit einem geschwungen W, mit welchen der Wispertaunussteig vorbildlich markiert ist.

Der Dickschieder Wildwechsel bringt uns zurück in geheimnisvolle Wälder, wo wir mit dem Wisper Thron abermals eine schöne Rastmöglichkeit finden. Über die schieferversetzten Trailpassagen der Spitzlei gelangen wir ins Herzbachtal, wo sich ein langatmiger Anstieg nach Espenschied auftürmt. Auf der Höhe bei Espenschied wird man erneut mit einer grandiosen Aussicht für die Mühen des Anstiegs belohnt. Espenschied bietet sich bestens als Tagesziel an, wenn man den Wispertaunussteig auf zwei Etappen aufteilen möchte. Das Dorf mit einladendem Ortskern bietet neben Übernachtungsmöglichkeiten und Restaurants, auch Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr.

Teil zwei folgt...

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